AGJ-Fachverband: Über uns/ChronikIm Jahr 2009 feierte der AGJ-Fachverband sein fünfzigjähriges Bestehen. Die Gründung 1959 unter dem Namen "Katholische Arbeitsgemeinschaft für Volksgesundung in der Erzdiözese Freiburg e.V. (KAV)". Wir nehmen dieses Ereignis zum Anlass, der Öffentlichkeit einen kurzen historischen Abriss unserer Entwicklung und eine Dokumentation unseres vielseitigen Wirkens zu präsentieren. 1948: Gründung “Katholische Arbeitsgemeinschaft für Volksgesundung” (KAV)Die Vereinsgründung geht auf den seit 1948 tätigen Bundesverein mit dem selben Namen zurück. Dieser war auf Initiative des damaligen Leiters des Referats „Trinkerfürsorge“ des Deutschen Caritasverbandes, Prälat Baumeister, und des Präsidenten des Deutschen Caritasverbandes, Benedikt Kreuz, ins Leben gerufen worden. Motivation der Gründerväter war, gegen die Gefährdungen und Nöte der Nachkriegszeit anzugehen. Laut Gründungsprotokoll sollten sich katholische Verbände und profilierte Persönlichkeiten aus Wissenschaft und sozialer Arbeit an der „vorbeugenden und rettenden Caritasarbeit zur Bekämpfung der großen Volksseuchen“ wie Tuberkulose sowie der Geschlechtskrankheiten und Suchtgefahren beteiligen. Das Ziel der Arbeit war „eine auf wissenschaftliche Erkenntnisse und religiöse Haltung aufgebaute sozialhygienische Volksbelehrung und der planmäßige Kampf gegen die Gefährdungsursachen“. Entgegen der vorherrschenden Befürchtung, die Bevölkerung könnte nach dem zweiten Weltkrieg einer Verelendung entgegengehen, entwickelte sich rasch ein wirtschaftlicher Aufstieg, der jedoch, so die Einschätzung der Gründungsmitglieder, neue und „elementare Gefährdungen der seelischen Substanz“ beinhaltete. „Wie die Not“, so wurde formuliert, „so lenkt auch die Völle nur allzuleicht von höheren Dingen ab und versklavt den Menschen an die Genußgüter zum Schaden seiner seelischen Entwicklung“. Diesen neuartigen Gefährdungen galt es mit vereinten Kräften entgegenzutreten. Es wurden entsprechende Satzungsziele für die vier Bereiche „vorbeugender Gesundheitsschutz“, „Familienschutz“, „Gefährdetenschutz“ und „Jugendschutz“ formuliert. Diese Ziele und die damit verbundenen Aufgaben an der Basis allein durch einen Bundesverband umzusetzen, war jedoch nicht möglich. Aus diesem Grund wurden in verschiedenen Diözesen regionale Arbeitsstellen eingerichtet, von denen ausschließlich der AGJ-Fachverband noch immer existiert. ? nach oben1959: Gründung “Katholische Arbeitsgemeinschaft für Volksgesundung für die Erzdiözese Freiburg”Die am 26.02.1959 gegründete KAV auf Diözesanebene hatte die identischen Satzungsziele wie der Bundesverband. Die Arbeitsfelder beschränkten sich jedoch zunächst weitgehend auf Suchtkrankenhilfe und Jugendschutz, da die Vereinstätigkeit bis 1963 ausschließlich von ehrenamtlichen Kräften getragen wurde. ? nach oben1963: Besetzung einer hauptamtlichen GeschäftsführerstelleGeschäftsführer bestellt und damit die Professionalisierung der Arbeit vorangetrieben. Zwischen 1965 und 1967 entstanden erste hauptamtlich besetzte Suchtberatungsstellen in Heidelberg und Freiburg. Damit konnte das Beratungsangebot in den südlichen und nördlichen Bereichen der Diözese ausgeweitet werden. Zu diesem Zeitpunkt waren 20 ehrenamtliche Helfer/-innen im Jugendschutz tätig. 1970: Erste stationäre EinrichtungIm Jahr 1970 nahm die erste stationäre Einrichtung zur Behandlung suchtmittelabhängiger Männer, St. Landelin in Ettenheimmünster, ihren Betrieb auf. Die Patienten kamen damals aus dem gesamten Bundesgebiet zu einer sechs- bis neunmonatigen stationären psychosozialen Behandlung. Im selben Jahr beschloss die Mitgliederversammlung, die KAV in „Arbeitsgemeinschaft für Gefährdetenhilfe und Jugendschutz in der Erzdiözese Freiburg e.V.“ (AGJ) umzubenennen und die Satzung zu überarbeiten. Die Geschäftsstelle wurde neu strukturiert, die Arbeitsgebiete wurden in drei Referate unterteilt: das Referat Suchtkrankenhilfe, das Referat Jugendschutz und das Referat Nichtsesshaften- und Straffälligenhilfe. ? nach oben1976: Referat "Suizidgefährdung und psychische Erkrankungen"1976 entstanden das Referat „Suizidgefährdung und psychische Erkrankungen“ sowie eine Psychosoziale Beratungs- und Behandlungsstelle für „Selbstmordgefährdete und Menschen in Lebenskrisen“ in Freiburg. 1982: Fachklinik für suchtkranke Frauen und Fachlehrgang Belastungserprobung/ArbeittherapieNachdem seit einiger Zeit die Notwendigkeit einer stationären Einrichtung für suchtkranke Frauen in der Diözese diskutiert worden war, verstärkten sich die Bemühungen, mit einer entsprechenden Einrichtung das bestehende Angebot für suchtkranke Männer in Ettenheimmünster zu ergänzen und das Behandlungsangebot in der Diözese zu vervollständigen. 1982 nahm der Lindenhof als Fachklinik für suchtkranke Frauen in Schallstadt/Wolfenweiler mit zunächst 30 Behandlungsplätzen seinen Betrieb auf. Der Arbeitstherapie in den verbandseigenen stationären Einrichtungen wurde innerhalb des AGJ-Verbandes schon immer große Bedeutung eingeräumt. Zur Qualifizierung der in diesem Bereich tätigen Mitarbeiter/-innen konzipierte das neue Referat „Fort- und Weiterbildung“ einen berufsbegleitenden Fachlehrgang mit dem Titel „Arbeitstherapie/Berufstherapie“. Dieser wurde im Jahr 1982 erstmalig durchgeführt. Da die Nachfrage externer Einrichtungen nach einer Teilnahme am Fachlehrgang stetig stieg, wurde der Lehrgang schließlich für Teilnehmer/-innen aus dem gesamten Bundesgebiet geöffnet. Mittlerweile heißt das Fortbildungsangebot „Fachlehrgang Belastungserprobung/Arbeitstherapie (Bel./AT)“. ? nach oben1983: St. Ursula-Heim in OffenburgNachdem 1975 die „Nichtsesshaftenhilfe“ konzeptionell weiterentwickelt worden war, ging 1983 das St. Ursula-Heim in Offenburg in die Trägerschaft des AGJ-Verbandes über. Zunächst als Übernachtungsheim wiedereröffnet wurde es später zum Psychosozialen Zentrum für Wohnungslose ausgebaut und um eine Fachberatungsstelle, ein Aufnahme- und Eingliederungsheim sowie Werkstätten zur Beschäftigung und Qualifizierung betroffener Menschen erweitert. 1983: Erich-Reisch-Haus in LörrachIm Bereich Wohnungslosenhilfe ging nach Verhandlungen mit öffentlichen Trägern 1984 das bis dahin städtische Übernachtungsheim in Lörrach in die Trägerschaft des AGJ-Fachverbandes über. Es wurde nach dem langjährigen Vorsitzenden des Verbandes, Dr. Erich Reisch, benannt. In den Jahren darauf wurde diese Einrichtung um eine Fachberatungsstelle, Werkstätten und Betreutes Wohnen ergänzt und qualitativ weiterentwickelt. 1985: Psychosoziales Zentrum für drogenabhängige JugendlicheIm Jahr 1985 wurde ein weiterer großer Schritt vollzogen. Der Verband erhielt das Angebot zur Übernahme einer ehemaligen Familienerholungseinrichtung in Freiolsheim bei Gaggenau und richtete dort ein stationäres „Psychosoziales Zentrum für drogenabhängige Jugendliche“ ein. ? nach oben1986: Neue Wohnungslosen- und SuchthilfeeinrichtungenAls Auftakt zur Ausweitung der Angebote im Landkreis übernahm der AGJ-Verband im Jahr 1986 die Beratungsstelle für Nichtsesshafte in Konstanz von der Arbeitsgemeinschaft für kirchliche Wohlfahrtspflege. In den nachfolgenden Jahren entstanden Fachberatungsstellen sowie der Jakobushof – ein Übernachtungs-, Aufnahme- und Eingliederungsheim mit Werkstätten. Ebenfalls 1986 wurde die „Beratung von Nichtsesshaften“ in den Räumen des Caritasverbandes in Sigmaringen eingerichtet. Auch für diesen Landkreis wurde nach und nach ein Psychosoziales Zentrum geschaffen. Mit einer Fachberatungsstelle, einem Übernachtungs- und Eingliederungsheim sowie einer Wärmestube entsprach das Angebot den konzeptionellen Vorgaben zur Versorgung des Landkreises. In den folgenden Jahren entstanden in der Suchtkrankenhilfe eine Vielzahl weiterer Psychosozialer Beratungs- und Behandlungsstellen, Außenstellen, Nebenstellen, Wohngruppen, Nachsorgeeinrichtungen etc. Das Aufkommen der Problematik illegaler Drogen stellte zusätzlich neue Anforderungen an die Suchthilfe. Das Land Baden Württemberg machte sich zum Ziel, ein flächendeckendes Beratungs- und Behandlungsangebot zu schaffen und unterstützte dieses Vorhaben staatlich. Auf dieser Grundlage richtete der AGJ-Fachverband weitere Psychosoziale Beratungs- und Behandlungsstellen ein. 1987-1995: Ausbau des Referats Jugendschutz und Gründung der "Produktions-, Vertriebs- und Dienstleistungs-GmbH" (PVD)Das Referat Jugendschutz war damals vorwiegend im Bereich Suchtprävention tätig. In Zusammenarbeit mit der Aktion Jugendschutz, Landesarbeitsstelle Baden-Württem-berg e.V. (AJS), wurden Fortbildungseinheiten für Multiplikatoren/-innen entwickelt und an Schulen und Bildungseinrichtungen in Baden-Württemberg durchgeführt. Das Referat beteiligte sich maßgeblich an der Konzeption einer fahrbaren Informationseinheit zum Thema Suchtmittel – dem so genannten Drogenbus — und führte Informations- und Schulungsveranstaltungen durch. Das Angebot wurde von der Liga der freien Wohlfahrtspflege in Baden Württemberg initiiert, vom Land gefördert und von der AJS durchgeführt. Die zunehmende Arbeitslosigkeit, von der viele Klienten/-innen des AGJ-Verbandes, insbesondere wohnungslose Menschen, betroffen waren, führte zum Entschluss, entsprechende Qualifizierungsangebote zu entwickeln. Im Jahr 1987 wurde die Gründung der „Produktions-, Vertriebs- und Dienst-leistungs-GmbH“ (PVD) beschlossen; 1989 fand der Eintrag ins Handelsregister statt. Im Gründungsjahr existierten die Standorte Schallstadt mit einer Buchbinderei, Offenburg mit einer Schreinerei, einem Möbellager und einer Kugelschreibermontage sowie Sigmaringen mit einer Baugruppe und St. Georgen mit einer Holzwerkstatt. Finanzielle Überlegungen führten Mitte der Neunziger Jahre zur Auflösung der GmbH und zur Überführung in den jetzigen PVD-Zweckbetrieb. In den vergangenen 20 Jahren hat sich der Zweckbetrieb dank kontinuierlicher Qualifizierungsprozesse zu einem leistungsfähigen Unternehmen entwickelt, das einen hohen Prozentsatz seiner Maßnahmeteilnehmer/-innen in den Arbeitsmarkt vermittelt. 1992-1995: Fachberatungsstellen für Wohnungslose und Einrichtungen für Drogenabhängige1992 wurde in Waldshut die Ambulante Fachberatungsstelle für Wohnungslose mit einer Wärmestube eröffnet. Hinzu kam 1994 das stationäre Hilfeangebot „Haus Benedikt“, das vier Jahre später um den Bereich Betreutes Wohnen ergänzt wurde. In Müllheim wurde im Jahr 1993 eine Fachberatung für Wohnungslose eingerichtet, die zunächst 13 stationäre Plätze vorhielt. Nach dem Erwerb und dem Umbau des Gebäudes wurde das Angebot um einen Aufnahme-, einen Eingliederungsbereich sowie Betreutes Wohnen erweitert. Als Antwort auf die zunehmende Drogenproblematik wurden 1994 bzw. 1995 die Jugend- und Drogenberatungsstellen KOBRA in Müllheim und emma in Emmendingen eingerichtet. 2004 kam als niederschwellige Hilfeeinrichtung für drogenabhängige Menschen der Kontaktladen Offenburg dazu. Im Bereich Rehabilitation wurde das Angebot für drogenabhängige Klienten/-innen durch die Tagesklinik Karlsruhe-Durlach, eine Teileinrichtung der Rehaklinik Freiolsheim, erweitert. ? nach oben1997: Rehaklinik St. Landelin in neuen GebäudenDa die Psychosoziale Klinik St. Landelin an ihre Kapazitätsgrenzen gelangte, wurde 1989 ein geeignetes Gebäude im benachbarten Broggingen erworben. Nach einer Zwischennutzung als Aussiedlerheim wurde der Gebäudekomplex umgebaut, sodass 1997 der Betrieb als Rehabilitationsklinik aufgenommen werden konnte. Das alte Klinikgebäude in Ettenheimmünster wurde nach einer Übergangszeit stillgelegt. 2001-2009: Sturkturelle VeränderungenIm Lauf der Zeit wurden Begriffe wie „Gefährdetenhilfe“ zunehmend als stigmatisierend betrachtet, sodass die Mitgliederversammlung des AGJ-Verbandes auf Empfehlung des Vorstandes im Juli 2003 eine Namensänderung beschloss. Seither heißt der Verband „AGJ-Fachverband für Prävention und Rehabilitation in der Erzdiözese Freiburg e.V.“. Das Akronym AGJ wurde beibehalten. Die Psychosoziale Beratungsstelle für Selbstmordgefährdete und Menschen in Lebenskrisen wurde 2001 in „Arbeitskreis Leben – Hilfe in Lebenskrisen/Suizidprävention (AKL)“ umbenannt. Nach einer Änderung der Landeshaushaltsordnung musste der AKL im Jahr 2009 in einen eigenständigen Trägerverein überführt werden, um Empfänger öffentlicher Fördermittel bleiben zu können. Dieser Trägerverein wird vom AGJ-Verband weiterhin finanziell und ideell unterstützt. Das Referat Kinder- und Jugendschutz entwickelte im Lauf der Jahre ein vielfältiges Angebot an Fortbildungsveranstaltungen, sodass ihm 2007 offiziell das Referat Fortbildung zugeordnet wurde. Gleichzeitig wurde das Referat in „Referat Prävention“ mit den Abteilungen Kinder- und Jugendschutz und Fortbildung umbenannt. 2011: Der AGJ-Fachverband heuteDer AGJ-Fachverband ist heute ein anerkannter katholischer caritativer Fachverband und dem Caritasverband für die Erzdiözese Freiburg als auch dem Deutschen Caritasverband angeschlossen. Nach ihrer Satzung fördert und unterstützt der AGJ-Verband in seinem Wirkungsbereich die gesundheitliche und psychosoziale Entwicklung von Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen und Familien. Seine Aufgabe besteht in der Vorbeugung gegen Gefährdungen, die die Entwicklungschancen insbesondere junger Menschen beeinträchtigen können. Die Hilfsangebote an kranke, schwache und hilfsbedürftige Menschen verstehen sich als Teil der Lebens- Wesensäußerung der katholischen Kirche. Für eine personen- und fachgerechte Hilfe unterhält der AGJ-Verband Einrichtungen für Information, Beratung, Behandlung, Betreuung und Begleitung. Im einzelnen sind dies Einrichtungen des Kinder- und Jugendschutzes, der Suchtkrankenhilfe, der Wohnungslosen- und Straffälligenhilfe u.a. Damit bietet der AGJ-Fachverband in einem Systemverbund von Prävention, Therapie und Nachsorge als Voraussetzung für eine wirkungsvolle und nachhaltige Hilfe an. Der AGJ-Fachverband wurde durch ehrenamtlich engagierte Christen gegründet und weiterentwickelt. Vorstand und Mitgliedschaft sind auch heute noch ehrenamtlich tätig. Das ehrenamtliche Engagement im Sinne eines Bruderdienstes am Nächsten ist ein besonderes Anliegen der AGJ. Hierzu gehört die Förderung einer ehrenamtlichen Helferschaft, die Förderung von Selbsthilfegruppen und die Förderung von direkt und indirekt Betroffenen, die als ehrenamtliche Mitarbeiter/-innen tätig werden möchten. Der AGJ-Fachverband beschäftigt derzeit 392 Mitarbeiter/-innen. Er unterhält im Bereich der Suchtkrankenhilfe 13 ambulante Fachberatungsstellen, drei stationäre und drei teilstationäre Einrichtungen. Des weiteren umfasst der Verband Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe: |
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